Wie die Jungfrau zum Kind…
Natürlich ist die Geschichte einem aufgeklärten modernen Menschen nicht zumutbar: Dass Maria als
Jungfrau Jesus geboren habe. Aber bevor Sie jetzt sagen: „Typisch Kirche. Die würden doch am
liebsten heute noch behaupten, dass die Sonne sich um die Erde dreht. Nur weil es halt so in der
Bibel steht (oder in dem Fall schlimmer noch: man es so in die Bibel hineingelesen hat)“
In diesem Fall gibt es für den Glauben allerdings einen guten Grund an der biologischen
Unmöglichkeit festzuhalten – eben weil es dabei nicht um Biologie geht. Mit der war es ja zu
biblischen Zeiten nicht weit her. Die weibliche Eizelle wurde erst im 19. Jahrhundert entdeckt. Davor
glaubte man die Zeugungskraft liege allein im männlichen Samen.
Aber noch einmal: Um Biologie geht es dem Glauben hier nicht. Sondern um die Frage, wer dieser
Jesus von Nazaret ist: Ein besonderer Mensch? Ja, aber das fasst es noch nicht wirklich. Ein Gott in
Menschengestalt? Ja, aber nicht so, wie es die alten Göttersagen verstanden hatten.
Ein Mensch! „In allem uns gleich außer der Sünde“, heißt es in einem Hochgebet der Messe. Und
dieses „außer der Sünde“ beschreibt seine Einzigartigkeit. Weil Jesus sich ganz und gar in Gott
geborgen wusste, blieb er bewahrt vor der Ursünde des Misstrauens, nicht genug geliebt zu sein. (Sie
wissen schon: die Sache mit dem ominösen Apfel im Paradies). Jesus hatte Gott zum Vater. Das
verkündet die Bibel, wenn sie von der Jungfrau Maria spricht.
Pfarrer Andreas Unfried