Windhauch

Urlaubszeit – endlich mal Zeit zum Abschalten! Aber bis ich im Urlaub so richtig abschalten kann, das dauert immer einige Tage. So vieles geht mir noch durch den Kopf. Erst langsam komme ich zur Ruhe und die Alltäglichkeiten treten in den Hintergrund – manchmal verfliegen sie sogar.

Vielleicht kennt der alte Weisheitslehrer Kohelet eine ähnliche Erfahrung, wenn er vom „Windhauch“ spricht. Kohelet geht durch die Welt und schaut sich um, wie die Menschen so leben. Dabei macht er die unterschiedlichsten Entdeckungen: Was er ganz oft entdeckt, ist „Windhauch“. Wie ein roter Faden zieht sich dieser Begriff durch sein Buch. „Windhauch“ – das bleibt nicht; es ist leicht wie eine Feder und flüchtig. Man könnte sagen: gewogen und zu leicht befunden. 
Für Kohelet ist Besitz „Windhauch“. Die Sorge darum und der Ärger nehmen so in Beschlag, dass selbst nachts keine Ruhe ist. Für Kohelet ist das ein schlechtes Geschäft – „Windhauch“ eben.
Diese Entdeckung des Kohelet steht nicht auf einem Kalenderblatt, sondern in der Bibel. Offenkundig hat für ihn die Entdeckung von „Windhauch“ mit Gott zu tun. Für ihn ist klar: Wenn aller Windhauch aus dem Leben wegpustet ist, dann bleibt das Beständige. Kohelet erkennt im Bleibenden die Spuren Gottes. Die Freude, die Liebe, Solidarität; das alles sind für ihn Gottes Spuren im Leben. Aber noch mehr: Selbst das Vergängliche des Lebens öffnet den Blick auf Gott. Das Leben überhaupt – gerade auch mit seinen flüchtigen Momenten – zeigt sich als Geschenk Gottes.

Wenn so ein „Windhauch“ durch meine Urlaubstage weht, bleibt mir hin und wieder das Beständige. Ich erkenne das Vergängliche und das Bleibende und kann beides besser voneinander unterscheiden. Ich bin dankbar für dieses Gottesgeschenk!
Mathias Wolf, Diakon