Wir kommen an Moria nicht vorbei

Nicht an den Flüchtlingsbooten auf dem Mittelmeer, nicht am Festsetzen und wirtschaftlichen Ausbluten von Frachtschiffen, die Menschenleben retten. Nicht am Abdrängen vor der Küste und den unwürdigen Zuständen in den Flüchtlingslagern schon lange vor der Katastrophe von vergangener Woche.

Und klar, mit der Rettung eines Menschenlebens, ist noch nicht alles vorbei, dann geht es erst los. Mit dem Anlanden in einem europäischen Hafen ist nicht gelöst, was in den Folgejahren wird. Selbst jene mit besten Absichten ecken an, und schwarze Schafe gibt es überall. Aber sollen wir die Menschen deshalb ertrinken lassen? Sollen wir dulden, dass andere den Aufpasser für uns spielen? Unserer Werte – aber bitte nur für uns? Welch ein Aufwand wird betrieben, um Menschenleben in der Coronapandemie zu schützen.

Jesus erzählt von einem Angestellten, dem sein Chef die Schuld(en) erlassen hat, und der anschließend hingeht und seinen Kollegen würgt, weil der ihm viel weniger schuldet. „Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?“

Wann gelingt es, sich den Problemen hinter der Flucht zu stellen? Wann gelingt es die Solidarität nicht nur mit seinesgleichen zu Üben sondern mit allen Menschen unter Gottes breitem Himmelszelt? Wann gelingt es miteinander die Grenzländer so zu entlasten, dass die zunehmend unwürdige Praxis im „mare nostrum“ verebbt. Wann muss niemand mehr russisches Roulette spielen, indem er ein Boot in der Dunkelheit besteigt?

Katrin Gallegos Sánchez