Wir müssen aufschreien!

2013-11-16 17:21:55

Wenn wir in der Kirche beten, bleibt vieles oft nur allgemein gesagt.Manchmal ärgert mich das. Warum gelingt es uns nicht, auch mal Dinge beim Namen zu nennen - ohne falsche Scheu, ohne die ewige Angst, da irgendwie mein Innerstes nach außen zu kehren. Gebet braucht nach meinem Ermessen auch mal den Mut aufzuschreien, anzuklagen und aufzurütteln.Wie so viele Menschen in Oberursel und Steinbach bewegt mich in den letzten Tagen das Schicksal der Familie Yang aus Stierstadt.Seit bald zehn Jahren lebt Familie Yang aus China mit drei Kindern in unserer Stadt. Den Eltern wurde, trotz mehrfacher Anträge, immer wieder Asyl verwehrt.Die Kinder, knapp sieben, fünf und ein Jahr alt, sind in Deutschland aufgewachsen und hier bestens integriert. Die beiden älteren Kinder besuchten bzw. besuchen den katholischen Kindergarten St. Sebastian in Stierstadt. Sie haben in Stierstadt viele Freunde gefunden, hier fühlen Sie sich zu Hause.Nun soll Aufgrund eines Amtsbeschlusses Familie Yang so schnell als möglich abgeschoben werden. Aufgrund der rigiden Ein-Kind-Politik in China drohen der Familie dort strenge Strafen bis dahin, dass die Eltern Zwangssterilisiert werden könnten und die Kinder anderen, fremden Familien zugewiesen werden.Wir erleben mitten unter uns eine menschliche Tragödie. Sie hat Namen und Gesichter, es sind Freundinnen und Freunde, die in unserer Gemeinschaft leben.Ich finde: Wir müssen als Christen alles in unserer Macht stehende tun, um das sich abzeichnende Unglück zu verhindern. Wir dürfen nicht schweigen vor diesem Leid. Wir dürfen uns nicht hinter Gesetztestexten verstecken, nicht in salbungsvolle Leerformeln verlieren. Wir müssen aufschreien, bis wir gehört werden.Und dieser Aufschrei kann wie ein Gebet sein. Ich bin mir sicher: Jesus Christus, unser Herr, der Bruder der Armen und Verfolgten wird gerade dieses Gebet hören.