Wo ist nur unsere Jugend im Gottesdienst?

2016-06-09 19:42:45

Diesen Satz höre ich schon, seit ich Priester bin. Als Kaplan war ich für Jugendarbeit verantwortlich. Da stellten nicht nur die Gemeindemitglieder diese Frage, sondern der Pfarrer wurde auch ungeduldig. Damals gab es eine starke Jugendgruppe, einen Kinderchor und eine Kinderschola. Viele Jugendliche waren dort engagiert, sie waren natürlich nicht jeden Sonntag im Gottesdienst zu sehen. Ich musste mich manchmal rechtfertigen und darauf hinweisen, dass es diese Gruppen gibt.Als Jugendpfarrer hörte ich die gleiche Klage von Pfarrern und Gemeinden. Ich erlebte aber in vielen Gemeinden engagierte Gruppenleiter und Ministranten.In meiner Zeit als Pfarrer in Eppstein und Hofheim war es ähnlich. Wir hatten große Zahlen an Ministrantinnen und Ministranten. Sie standen am Altar, fehlten aber in den Bänken. Auch sie waren nicht jeden Sonntag im Gottesdienst, bildeten aber eine große Gruppe engagierter Kinder und Jugendlichen.So erlebe ich es auch in Oberursel/Steinbach. Ich möchte aber mal ein paar Zahlen sprechen lassen und eine aktuelle Information geben. Von den diesjährigen Kommunionkindern werden gut ein Drittel Ministrant/in werden. Von Freitag bis Sonntag sind wir mit 125 von 350 Ministrantinnen und Ministranten in Kirchähr. Mehr als 20 Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter haben selbständig dieses Wochenende vorbereitet. Während wir letztes Jahr das Thema „Götter in der Mythologie“ hatten, kamen die Jugendlichen selbst auf die Idee, in diesem Jahr die Apostel zum Thema zu machen. Die Kinder sollen das Leben der Apostel kennenlernen, was ihre Namen bedeuten und welche Symbole ihnen zugeordnet werden. Gemeinschaft zu erleben ist ein wichtiges Element.Wie läuft so ein Wochenende ab?Freitag: Ankunft in Kirchähr, Zimmer beziehen, Kennenlern-Spiele, Abendprogramm.Samstag: in Gruppen spielerisch mit dem Thema umgehen, Bewegung im Freien, Zeit für sich selbst, Vorbereitung eines gemeinsamen Gottesdienstes, Eucharistiefeier am Abend, Grillen und/oder Nachtwanderung.Sonntag: Aufräumen, Spiele im Freien, Abreise.Gutes Essen hält Leib und Seele zusammen, das ist in Kirchähr garantiert.Herr Dere und ich sind nicht die Organisatoren, wir sind Hauptverantwortliche, aber nicht die Macher des Wochenendes, das sind die Jugendlichen. Wir freuen uns über ein wahnsinnig hohes Engagement, den vielfältigen Ideenreichtum und die große Verantwortungsbereitschaft unserer Jugendlichen. Wenn Kinder und Jugendlichen am Sonntagmittag nach Hause kommen sind alle (hoffentlich) begeistert und müde. Wenn am Sonntag jemand fragt: „Wo ist unsere Jugend im Gottesdienst“, dann können Sie, liebe Leser sagen: „in Kirchähr waren sie“. Wir freuen uns auf die Stunden in Kirchähr.Ihr Reinhold Kalteier, Pfarrer