Wozu glauben?

Glauben an Gott? Wozu? Die Welt ist voll von Leid, Trauer und Tod.

Die Pandemie – steigende Inzidenzen, Todesopfer, Angehörige, die um sie trauern. Die Flutkatastrophe – viele Menschen stehen vor dem Nichts, viele haben geliebte Menschen verloren, die Not ist groß. Die katastrophale Lage in Afghanistan – dramatische Szenen am Flughafen in Kabul, Angst vor einer erneuten Schreckensherrschaft der Taliban. 20 Jahre nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center… Gott, wo bist du? Wie soll ich glauben? Warum? Was soll das schon ändern?

Ganz ehrlich, keine Ahnung – Sprachlosigkeit, Wut, Ohnmacht…

Typische Antworten: „Gott ist da.“, „Keiner ist allein.“ „Gott möchte ein Licht in der Dunkelheit sein.“ Ich gebe zu, diese Sätze habe ich auch schon öfters in meinem Leben gebraucht. Aber was, wenn das alles bloß leere Worte sind – verzweifelte Versuche einer Antwort, wo es keine Antwort gibt? Was dann?

Ein Ordensmann sagte mir einmal: „Glaube ist ein Geschenk und du kannst selbst entscheiden, ob du es annehmen möchtest oder nicht.“ Was wenn ich mich dagegen entscheide? Sprachlosigkeit und Ohnmacht bleiben, es ändert nichts. Was, wenn ich das Geschenk annehme? Besser wird die Welt davon auch nicht … aber ich darf hoffen – darauf, dass Gott mein Leben trägt, dass nicht alles sinnlos ist. Ich darf hoffen, dass Menschen in ihrem Leiden nicht alleine sind, dass Gott bei ihnen ist in ihrer dunkelsten Stunde. Nur ich selbst kann diese scheinbar leeren Worte für mich mit Bedeutung füllen. Ich selbst kann meinen Glauben zu einer Kraftquelle werden lassen und kann Zuversicht aus ihm wachsen lassen.

Glauben ist nicht immer einfach, aber ich habe mich dafür entschieden, dass es ein Versuch wert ist. Was habe ich schon zu verlieren?

Laura Ursprung, Pastoralpraktikantin