Zähl die Sterne! …wenn Du kannst.

Zähl die Sterne! …wenn Du kannst. Es klingt geradezu märchenhaft: Gott verheißt dem Abram Nachkommen so zahlreich wie die Sterne am Himmel. Bloß, dass dieses Versprechen im Leben des Abram dazu so gar keine plausible Entsprechung findet. Längst sind er und seine Frau aus dem Alter heraus, wo man noch Hoffnung haben könnte, Familie zu gründen.Aber ist das Augenfällige und Plausible auch wirklich (und nicht nur scheinbar) wahr? Im Glauben geht es eben um einen anderen Blick auf die Dinge. „Kehr um und glaub an das Evangelium“ – der Ruf des Aschermittwoch ist die dringliche Aufforderung, den eigenen Blickwinkel zu verändern, den zweiten Blick zu wagen, hinter die Dinge zu schauen. „Mehr als du siehst“ heißt das programmatische Wort in unserem Bistum dazu.Was macht Abram? Er wartet mit scheinbar unerschütterlicher Geduld, denn es tut sich weiterhin erst einmal gar nichts. Er geht das Wagnis ein, Gott zu vertrauen gegen alle Plausibilität. Bis der nicht mehr erwartete leibliche Sohn Isaak endlich doch noch geboren wird. Und Vater wird von Esau und Jakob. Und der von gleich 12 Söhnen, von denen der eine: Josef, von seinen Brüdern verraten und verkauft, sie alle schließlich rettet vor dem Hungertod. So werden sie zu den Stammvätern Israels. Und Abraham (wie ihn die Bibel ab jetzt nennen wird) zum „Vater einer Menge“. Und insofern wir alle uns als Kinder des Abrahams und seines unerschütterlichen Glaubens betrachten dürfen, hat Gott schließlich durchaus überzeugend Wort gehalten.Glauben heißt: Vertrauen wagen, den Blick schärfen für das, was man erst auf den zweiten Blick sieht – und gerade so nach den Sternen greifen.Pfr. Andreas Unfried