Zieh deine Schuhe aus, denn der Ort ist heilig

2014-04-29 09:34:37

Als wir nach den Philippinen aufbrachen hat uns unser Kollege Daniel Dere die Frage mitgegeben, wir sollten doch bitte auch schauen, wie man dort mit dem Problem umgehe, dass die verschiedenen gesellschaftlichen Milieus immer weniger untereinander dialogfähig seien und somit eine Volkskirche immer schwieriger zu verwirklichen ist. Wir haben dann tatsächlich feststellen müssen, dass dieses Problem auch für die Kirche dort auf der anderen Seite der Welt existiert. Die Soziologen sprechen ja mittlerweile regelrecht von „Ekelgrenzen“ zwischen diesen Milieus. Was dem einen heilig ist, das findet der andere abscheulich und würde so etwas niemals tun (oder anziehen oder im Fernsehen anschauen etc.).Zwei Antworten bringen wir dennoch mit: Zum einen ist die katholische Kirche auf den Philippinen sehr viel eindeutiger eine Kirche mit und für die Armen als bei uns. Insbesondere durch den Kampf gegen die Marcos-Diktatur in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts hat sie ihren Platz bei den Armen und Entrechteten gefunden. Caritatives Engagement ist ja auch bei uns eine starke Seite der Kirche. Aber identifizieren wir uns auch als Gemeinden mit der Caritas. Oder begleiten wir deren Arbeit einfach nur mit freundlichem Wohlwollen?Die zweite Erfahrung stammt aus unserer Begegnung mit einem Missionar, der seit 28 Jahren mit den Ureinwohnern, den Mangyanen lebt und für sie kämpft. Er hat uns den Sinnspruch eines englischen Ethnologen mitgegeben: „Erste Aufgabe, wenn wir uns andern Menschen, andern Kulturen, andern Religionen nähern, ist, unsere Schuhe auszuziehen, weil der Ort, dem wir uns nähern, heilig ist. Andernfalls würden wir auf anderer Leute Träumen herumtrampeln. Schlimmer noch: wir könnten vergessen, dass Gott längst schon dort war, bevor wir ankamen.“Gott ist längst da, wo immer wir erst noch hinkommen wollen. Das muss uns klar sein, wenn wir auf andere Menschen zugehen wollen. Als Gottsucher müssen wir ihnen begegnen wollen - nicht als solche, die Gott bereits besitzen.Pfr. Unfried