Zu-MUT-ung

Nachrichten schauen, Zeitung lesen – in den vergangenen Wochen gab es viel Bedrückendes, Gewalt und Zerstörung.

Halle, Syrien – uns reichen die Ortsnamen und wir haben die Bilder und Geschichten im Kopf. Sie gehen uns nach und die Beklommenheit ist zäh. Am 9.11. gedenken wir der Reichspogromnacht. Hoffentlich wird an diesem Tag alles gut gehen und kein Leben zu beklagen sein. – Was hilft gegen Krieg, Gewalt, Hass, Aggression? Was – um Himmels willen – können wir tun? Ich bin auf eine Geschichte aus dem Indochinakrieg gestoßen. Thich Nhat Than, ein buddhistischer Mönch erzählt sie. Französische Soldaten wollen einen Tempel nach Widerstandskämpfern durchsuchen. Sie kommen in der Dunkelheit. Niemand rührt sich. Und doch spüren sie, dass Menschen da sind. Im Schein der Taschenlampe entdecken sie dann: Da sitzen fünfzig oder sechzig Mönche vollkommen still und meditieren. Die Soldaten sind so überrascht, dass sie abziehen. Und der Soldat, der die Geschichte erlebt hat, sagt: „An diesem Tag habe ich meine Ansichten über das vietnamesische Volk zu ändern begonnen. […] Das friedvolle und gelassene Leben dieser Mönche lässt mich an das menschliche Leben auf dieser Erde denken.“ – Ich habe mich beim Lesen dieser Zeilen gefragt, was wohl einer, der von außen dazu kommt, über unsere Gottesdienste und Gebete sagen würde. Über unser Leben. Wie viel Frieden und Liebe strahlt es aus? Vielleicht ist meine Frage schon etwas abwegig: Was kann man gegen Gewalt und Hass tun. Gegen, das klingt bereits nach Kampf. Thich Nhat Than hat auch den Vietnamkrieg erlebt und er schreibt: „Im Krieg wuchsen wir immer tiefer in die Praxis der Gewaltlosigkeit hinein. Gewaltlosigkeit besteht nicht aus einer Reihe von Techniken, die man sich intellektuell aneignen kann. Gewaltfreies Handeln erwächst aus Mitgefühl, innerer Klarheit und Verstehen.“ – Wir leben in Zeiten großer spiritueller Herausforderungen. „Ihr seid Licht in dieser Welt.“ – Eine echte Zu-MUT-ung.
Susanne Degen