Wann beginnt Ostern?

Es sind besondere Kar- und Ostertage in diesem Jahr. Alles ist anders als gewohnt, denn als christliche Gemeinden dürfen wir nicht zusammenkommen, um in unseren Kirchen miteinander Gottesdienste zu feiern. Ausgerechnet jetzt, zum Höhepunkt des Kirchenjahres. Trotzdem ist es möglich, den Glauben in anderen Formen zu leben:

Fernsehgottesdienst-Übertragungen, Live-Streams und tagesaktuelle Impulse, Gebete und Hilfsangebote (z.B. auf https://www.kath-oberursel.de/schwarzes-brett/covid-19) stehen zur Verfügung und auch die persönliche Erreichbarkeit der Seelsorgerinnen und Seelsorger ist gewährleistet. Überdies möchten wir Ihnen Anregungen geben, die Tage der heiligen Woche in Form von einfachen Liturgien zu Hause zu gestalten und zu feiern.

Es sind Versuche, Gemeinschaft mit Gott und als Christen zu leben in einer Zeit, in der „social distance“ das Gebot der Stunde ist. Doch „social distance“ ist nicht gleichbedeutend mit „emotional distance“.

Ja, Prioritäten und Schwerpunkte haben sich verschoben: in unserem Berufs- und Alltagsleben, und auch im kirchlichen Handeln. In Bezug auf die Kar- und Ostertage fällt mir dazu ein, dass es bedeuten könnte, das Hauptaugenmerk diesmal nicht auf die Feier von Tod und Auferstehung zu legen, sondern auf die tätige Nächstenliebe, die Caritas, die in diesen Tagen wahrhaft aufblüht.

„Caritas“ ist nicht nur einfach der Name des Verbands von Hilfsorganisationen in katholischer Trägerschaft, sondern Caritas ist (neben Glaube und Hoffnung) eine der drei sogenannten göttlichen Grundtugenden (vgl. 1 Kor 13, 13 und Joh 15, 12f). Hier zeigt sich, was Christsein bedeutet, was unbedingt dazu gehören muss.

Übersetzt bedeutet „Caritas“ übrigens „Wohltätigkeit, Wertschätzung, Liebe, Nächstenliebe“.

Interessanterweise eröffnet Papst Franziskus seit Beginn seines Pontifikats die Osterzeit mit einem tätigen Werk der Caritas - und setzt damit einen ganz besonderen Akzent:

Ich meine damit die Fußwaschungen an Gründonnerstag, und zwar speziell die Orte und Personenkreise, an denen der Papst handelt: er begibt sich nicht unter die frommen Kleriker oder Kirchgänger, sondern zu Insassen von Gefängnissen, Menschen in Therapieeinrichtungen und Bewohnern eines Flüchtlingsheims; vor all jenen hat sich Franziskus schon vor Ort klein gemacht und ihnen die Füße gewaschen.

In dieser Handlung des Dienens vollzieht sich Ostern! Nicht erst durch das Gloria der Osternacht oder die brennenden Osterkerzen nehmen wir Anteil am Auferstehungsgeschehen, nein, der Beginn des Ostergeheimnisses liegt in der Zuwendung zum anderen: Besonders, so betont Franziskus immer wieder, gelte die Regel des Dienens für die Mächtigen und Starken. Macht soll nicht eingesetzt werden, um eigene Interessen durchzusetzen, sondern um zu helfen.

Ostern beginnt mit dem Überwinden von Standesdünkel und Milieuschranken und mit der liebevollen Achtsamkeit für unsere Mitmenschen, die in tätige Hilfe mündet.

Insofern hat die Corona-Krise sogar geholfen, den Osterbeginn vorzuziehen, denn wenn diese schwere Zeit einen positiven Effekt hat, dann den, dass viele nun mehr denn je an hilfsbedürftige Nachbarn und Bekannte denken, nachfragen, konkret helfen und versuchen, füreinander da zu sein.

Nicht nur an den Tagen der heiligen Woche. - Bleiben wir in diesem Geist miteinander verbunden.

Kerstin Kilb (Pastoralreferentin)